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Der Deichbau in Nordfriesland

Aufgezeigt am „Bottschlotter Werk“

 

Der dänische König Christian I. erkannte die große Bedeutung des Deichbaues. Jeder neue Deich verhieß Sicherheit für die Menschen, Sicherheit vor Landverlust und gleichzeitig zusätzliches Land (= Landgewinnung) für die landwirtschaftliche Nutzung.

 

1566 konnte der große Gotteskoog eingeweiht werden. Ein wichtiges Ereignis, weil sich dadurch der Wasserstrom in den Tiefs der Dagebüller Bucht verringerte. Herzog Johann der Ältere sah nun die Möglichkeit, viele neue Landflächen zu gewinnen.

 

Es galt, die große Meeresbucht zwischen Horsbüllharde und Waygaard mit ihren vielen Watten (weder ständig trocken noch ständig überflutet), Inseln und Halligen (vor Sturmflut und dem Hochwasser ungeschützte kleine Eilande) einzudeichen. Ein gewaltiger Marschkoog würde gewonnen, man ging von 16.000 Demat (= 8.000 ha = 8 Millionen qm) aus.

 

Am 17. April 1570 gab der Herzog den Befehl (die Bevölkerung wurde zwangsverpflichtet) zum Deichbau von der Horsbüllharde über Fahretoft bis an den Mooringer und den Karrharder Deich.

 

Der Blanke Hans funkte immer wieder dazwischen. 1573 z.B. riß die Sturmflut Deichteile fort, Wehlen (tiefe Wasserlöcher) entstanden. Der Herzog kam am 4.5.1575 persönlich ins Risummoor, ermahnte die Bevölkerung zur Erledigung ihres Deich-Anteils.

 

Die Arbeit um die Bottschlotter Tiefe war ein „Schmerzenskind“ und blieb es auch. In 1577 am 12. Februar wurde wieder zum „Bupschluter Deichwerk“ aufgerufen und wieder wurde viel Arbeit und Geld eingesetzt.

 

Nach Herzog Johannes Tod führte sein Bruder Herzog Adolf von Gottorf führte den sinnvollen Plan weiter mit einer Durchdämmung des Bottschlotter Tiefs (neben Süderwaygaard bei der „blinden Hallig) in Form eines Schleusentores.

 

Jetzt kamen die holländischen Deichbaumeister zu Hilfe. Leider ohne großen Erfolg. Das Wetter war ungünstig. Es gab Probleme mit den für die Durchdämmung notwendigen Prähmen (Schuten). Große Unstimmigkeit und Feindseligkeit zwischen den Holländern und der Bevölkerung führten schließlich zur Arbeitsniederlegung durch die Holländer – sie meinten, das Werk nicht vollenden zu können. Ab 1590 ruhte die Arbeit am Bottschlotter Werk.

 

1610 wurde die Arbeit wieder aufgenommen, veranlasst vom Herzog durch die Erfolge des Holländers und gottorfischen Generaldeichgrafs Johann Clausen Rollwagen. Durch ihn waren 1610 – 1614 in Eiderstedt sieben neue Köge entstanden und im Gotteskoog Entwässerung und Bedeichungsarbeiten erledigt worden. Nach ihm ist eine Straße im Gotteskoog benannt.

 

Jetzt wurde wieder die Deichlinie Waygaard, Fahretoft, Galmsbüll, Emmelsbüll geplant. 30.000 Demat wollte man „einnehmen“. Es könnte nun eher gelingen, weil ein „Anwachß durch stetige Alluvion nicht wenig erhöhet und verbessert worden“.

 

Zur Finanzierung sollten jetzt auch ausländische Partizipanten (erhalten später Landanteile) und Kapitalgeber herangezogen werden. Und formuliert im „Freiheitsbrief vom 24.7.1615“ sollte eine „Societet“ von fremden und einheimischen Geldgebern das Land „zu freiem Erbgut“ erhalten, selbst verwalten, eigenes Untergericht einrichten und wirtschaftlich begünstigte „Stete und Flegken“ bauen sowie im Koog einen religiösen Freistatt einrichten. Also eine quasi Wirtschaftszone mit religiöser Freiheit.

 

1615 wurde stark Werbung für das Vorhaben betrieben. Aber erst 10 Jahre später begannen die Arbeiten, nachdem 1623 der Holländer Christian Becker aus Friedrichstadt 27 holländische Parzipanten verpflichtet hatte (es wurde jeweils ein Octroy unterzeichnet).

 

In 1631 begann man mit der tatsächlichen Arbeit – die leider nur im „Krebsgang“ erledigt wurde.

 

Endlich, am 2. Juli 1633 konnte das Bottschlotter Tief durch „Einsenkung einiger Schiffe glücklich geschlagen“ werden. Ungefähr 5.500 Menschen und Hunderte Pferdegespanne haben dieses für Nordfriesland bedeutende Werk geschaffen.

 

Aber: Der Blanke Hans schlug wieder zu. Am 11. Oktober 1634 ging in der bekannten großen Wasserflut alles verloren. Allein in der Bökingharde starben 402 Menschen.

 

1636 griff man wieder das Werk an – unter der Leitung des römisch-katholischen Priesters Pater Filster. Durch sein Engagement will er die Möglichkeit gesehen haben, die fürstliche Herrschaft zum römisch-katholischen „Aberglauben“ zu bereden.

 

Endlose Schwierigkeiten führten aber letztendlich zur Aufgabe des

Planes, nicht auch deshalb, weil im Octroy (herzogliche Genehmigung für den Deichbau) der Partizipanten aufgeführt war, dass sie nach einer Anzahl von abgelaufenen Freijahren von jedem Demat einen gewissen Teil abzugeben hatten, unabhängig von der Frage, ob das Land tatsächlich gewonnen wurde oder nicht.

 

1641 gelang die Eindeichung des viel kleineren Bottschlotter Kooges. Der Blomenkoog wurde 1652 gewonnen.

 

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte konnten viele, viele Deiche gebaut und Land gewonnen werden. 1727 überdeichte man das bis dahin der strömenden See zugängliche Kleiseer (Clysee) Tief. Damit war die Schließung der Dagebüller Bucht abgeschlossen.

 

157 Jahre hat es gedauert, um zum Ziel zu kommen. Die Schließung des Botschlotter Tiefs am 2. Juli 1633 war hierfür die Bedingung.

Quellen:

 

350 Jahre Das Bottschlotter Werk Panten/ Meier 1983

Wikipedia

 

Hinweis:

Theodor Storm hat in seinem Werk „Der Schimmelreiter“ die Mühen des Deichbaues sehr eingehend und eingebettet in das damalige Leben an der Küste geschildert.

Geschrieben von Broder Brodersen im Januar 2015

 

 

 

 

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